Was ist Reverse Charge?

Reverse Charge (Umkehrung der Steuerschuld) – alles was Sie darüber wissen müssen

Reverse Charge bezeichnet eine Spezialregelung im Umsatzsteuerrecht, bei der der Leistungsempfänger anstelle des Leistungserbringers  die Umsatzsteuer zu entrichten hat. Nach dem geltenden Umsatzsteuerrecht muss der Leistungserbringer die Umsatzsteuer an das Finanzamt entrichten. Im Gegensatz dazu kann der Leistungsempfänger die gezahlte Umsatzsteuer als Vorsteuer geltend machen (aber nur wenn es sich beim Leistungsempfänger selbst um einen Unternehmer handelt). Bei der Umkehr der Steuerschuld überträgt sich hingegen bei bestimmten Leistungen die Steuerschuldnerschaft auf den Leistungsempfänger.

Reverse Charge Verfahren

Warum gibt es diese Regelung?

Die Umkehr der Steuerschuld ist vor allem dazu da, das Steuerverfahren zu vereinfachen und Umsatzsteuer-Betrügereien, wie z. B. den Karusselbetrug zu verhindern. Denn beim Karussellbetrug grenzüberschreitende Lieferungen ausgenutzt, die für den leistenden Unternehmer steuerfrei sind. Experten schätzen,  dass auf diesem Weg jährlich mehrere Milliarden Euro verloren gehen – die letztendlich von den Steuerzahlern ausgeglichen werden müssen.

Voraussetzungen und Geltungsbereiche

Der § 13b UStG regelt, dass die Steuerschuldnerschaft auf den Leistungsempfänger übergeht, wenn jener im Sinne des Umsatzsteuergesetztes Unternehmer ist.

In folgenden Geschäftsbereichen gilt die Umkehr der Steuerschuld

  • In Deutschland ausgeführte Werklieferungen eines Unternehmers, welcher im Ausland ansässig ist (§ 13 b As. 2 Nr. 1 UStG)
  • Lieferungen sicherungsübereigneter Gegenstände außerhalb des Insolvenzverfahrens (§ 13b As. 2 Nr. 2 UStG)
  • Umsätze, die unter das Grunderwerbssteuergesetz fallen (§ 13b Abs. 2 Nr. 3 UStG)
  • Bauleistungen (§ 13b Asb. 2 Nr. 4 UStG)
  • Reinigung von Gebäudeteilen und Gebäuden (§ 13b Abs. 2 Nr. 8 UStG)
  • Gold-Lieferungen (§ 13b Abs. 2 Nr. 9 UStG)
  • Lieferungen von Elektronikwaren von Tablet-Computern, Mobiltelefonen sowie Spielkonsolen, usw. (§ 13b Abs. 2 Nr. 10 UStG)

Reverse Charge bei Bauleistungen

Für das Reverse Charge Verfahren bei Bauleistungen gelten aber spezifische Grundsätze:

  • Bei Bauleistungen an Bauträger kommt die Umkehr der Steuerschuld nicht in Betracht
  • Reverse Charge ist verpflichtend, wenn der Leistungsempfänger selbst nachhaltige Bauleistungen erbringt
  • Für die Erbringung nachhaltiger Bauleistungen stellt das Finanzamt eine Bescheinigung aus, wenn der Unternehmer 10 % seines Umsatzes mit Bauleistungen erwirtschaftet

Die 3 häufigsten Fehler beim Reverse Charge-Verfahren:

  • In der Rechnung wird die Umsatzsteuer ausgewiesen
  • Der Hinweis auf die Umkehr der Steuerschuldnerschaft ist nicht vorhanden
  • Es fehlen die Umsatzsteuer-Identifikationsnummern

 

Wissen Sie schon, was man bei einer Freistellungsbescheinigung beachten muss? Alles darüber finden Sie in unserem Blogbeitrag!